Häufig gestellte Fragen
Warum sind Dateizugriffe über VPN so viel langsamer?
Um auf Dateifreigaben auf einem Dateiserver zuzugreifen muss ein entsprechendes Protokoll verwendet werden. Die häufigsten Protokolle dieser Art (Stand 2018) sind: SMB/CIFS (Standardprotokoll von Windows und macOS 10.9 oder neuer), AFP (Standardprotokoll von macOS vor 10.9), NFS (Standardprotokoll von Linux und diversen UNIX Systemen) und WebDAV (ein auf HTTP basierendes Protokoll, Herstellerneutral). Alle diese Protokolle, außer WebDAV, wurden ursprüngliche dafür entworfen, dass ein Client auf einen Server zugreifen kann, wobei sich Client und Server im gleichen, lokalen Netzwerk befinden. Das führt leider oft zu Problemen, wenn man versucht diese Protokolle über einen VPN Verbindung zu nutzen.
Eine VPN Verbindung wird typischer Weise über das Internet aufgebaut und das Internet hat eine sehr unterschiedliche Netzwerk Charakteristik wie man das von Netzwerken in der Arbeit oder daheim gewohnt ist. Lokale Netzwerke bieten normalerweise eine hohe symmetrische (Sende- ist gleich Empfangsgeschwindigkeit) Bandbreite, sehr niedrige und vor allem stabile Latenz, sehr wenige Paketverluste, beinahe keine Datenfehler und eine hone, stabile maximale Übertragungsgröße (MTU). Im Gegensatz dazu, bieten Internetzugänge oft nur eine geringe, asymmetrische (viel schnellere Empfangs- als Sendegeschwindigkeit) und das Internet hat eine viel höhere, stark schwankende Latenz, ein nicht unerhebliches Maß an Paketverlusten, Datenfehler kommen ab und an vor und die maximale Übertragungsgröße ist oft geringer und ist dazu noch stabil und kann sich jederzeit auch während einer laufenden Datenübertragung ändern. Einige Protokolle können deutlich besser mit diesen Bedingungen umgehen als andere.
Probleme, auf die man gefasst sein sollte: Dateien eines Ordners auflisten lassen kann langsam bis sehr langsam sein (aufgrund der hohen Latenz), Dateien vom Server kopieren kann sehr langsam sein (limitiert durch die Sendegeschwindigkeit der anderen Seite), das Kopieren von Dateien auf den Server kann sehr langsam sein (limitiert durch die Sendegeschwindigkeit des eigenen Internetanschlusses), Dateien direkt vom Server öffnen kann sogar noch viel langsamer sein (weil hier nicht nur Bandbreite sondern auch Latenz und MTU eine Rolle spielen) und Dateizugriffe können sogar komplett fehlschlagen (aufgrund von Paketverlusten oder Datenfehlern). Wir möchten aber darauf hinweisen, das nichts davon direkt durch den VPN Tunnel verursacht wird, denn auch ohne VPN wären die Resultate bei gleicher Verbindung über das Internet kaum bis bestenfalls minimal besser.
Leider gibt es hier wenig, das man aktiv gegen derartige Probleme unternehmen kann. Auf die Latenz hat man als Nutzer praktisch keinen Einfluss. Die Bandbreite erhöhen auf einer oder beiden Seiten hilft so gut wie immer etwas, aber nur wenn es die Sendebandbreite (Upload) ist, da wenn überhaupt nur dieses der limitierende Faktor ist. Ein anderes Protokoll zu verwenden kann natürlich immer helfen, da besonders SMB/CIFS eher schlecht mit Internetverbindungen zurecht kommt und falls das Protokoll auf eine ältere Version zurückfallen muss (eine Version älter als SMB 3.0), sind die Ergebnisse oft katastrophal (bis hin zum Totalausfall). Ein Problem dabei ist, dass Windows von Haus aus nur SMB und WebDAV beherrscht, während macOS alle oben genannten Protokolle von Haus aus beherrscht. Daher muss man auf Drittprodukte zurückgreifen, um Windows alternative Protokolle beizubringen. Zur Not kann man auf WebDAV zurückgreifen, das aber grundsätzlich eine sehr schlechte Performance bietet. Dedizierte NAS Server bieten normalerweise auch NFS an, oft muss er nur eingeschaltet werden, und das könnte eine bessere Performance als SMB bieten.